Zuhause in Mainz

Wann wird aus einer Messfremden, wie der Mainzer gerne eine Zugezogene nennt, eine Mainzerin, Meenzerin oder Määnzerin? Nicht alleine dadurch, dass man wie Doris Ahnen seit mehr als 30 Jahren in Mainz lebt. Über die Frage, ob sie denn nun eine Mainzerin, Meenzerin oder Määnzerin sei, hat sich Doris Ahnen zunächst keine Gedanken macht, als sie als Studienanfängerin im Oktober 1984 nach Mainz kam und zusammen mit ihrer besten Schulfreundin Ute aus Trier in ihre gemeinsame Studentinnen-Wohnung am Kaiser-Wilhelm-Ring zog. Gut, sie kannte Mainz aus ihrer Zeit als Sprecherin des Landesvorstands der Schülervertretung, dessen Sitzungen in der Regel im Mainzer Kultusministerium stattfanden. Aber nach Mainz hatte sie vor allem die Johannes-Gutenberg-Universität geführt.

Wenn Studierende eine Stadt wie Mainz mehr schätzen als nur einen Ort zum Studieren, merken sie das daran, dass die Fahrten nach Hause weniger werden, die Freundinnen und Freunde aus der alten Heimat öfters in Mainz zu Besuch als man selbst bei ihnen und vor allem wenn die Wäsche am Wochenende im Waschsalon statt in der elterlichen Waschmaschine gewaschen wird. Und Mainz hatte für Doris Ahnen, wie für so viele andere Studierende vieles zu bieten: die Offenheit der Mainzerinnen und Mainzer gegenüber „Zugereisten“, die kulturellen Angebote vom KUZ über das Unterhaus, den alternativen Kneipen wie der damalige Milestone-Keller in der Hinteren Bleiche, den Weinstuben in der Altstadt wie das Bluhm und der Beichtstuhl, die Straßenfastnacht und die Mainzer Johannisnacht. Oder ganz einfach im Sommer am Rheinufer sitzen, den Wellen zuschauen und über das Leben ein wenig nachsinnen. Und natürlich die Politik: Die Arbeit in der studentischen Selbstverwaltung, das Engagement bei der Mainzer Juso-Hochschulgruppe und der Einsatz für eine SPD, die in Mainz seit Jahrzehnten den Oberbürgermeister stellte und in Rheinland-Pfalz von Landtagswahl zu Landtagswahl der CDU Prozentpunkte abnahm.

Und so ist Doris Ahnen nach und nach zu einer echten Mainzerin geworden. Deshalb treffen andere Mainzerinnen und Mainzer sie oft am Samstagmorgen auf dem Wochenmarkt mit Abschluss bei einem Glas Wein beim Mainzer Marktfrühstück, beim Einkaufsbummel in den kleinen Geschäften rund um den Leichhof und die Augustinerstraße. Selbstverständlich hat Doris Ahnen eine Dauerkarte im M-Block auf der orgentec-Tribüne in der Coface-Arena – nicht als in der ersten Liga hinzugekommener „Edelfan“, sondern als frühere Stehplatz-Zuschauerin im alten Bruchweg-Stadion. Sportinteressierte finden sie aber, zusammen mit Oberbürgermeister Michael Ebling, auch bei den Baseballern der Mainz Athletics oder am Mattenrand bei den Ringern des ASV Mainz 88, wobei sie gerne die Hilfe des sportlichen Leiters der 88er und SPD-Stadtrats Baris Baglan annimmt, wenn es um die nicht unkomplizierten Regeln des Ringsports geht. Und während der Fastnachtszeit sind auf jeden Fall die Sitzungen beim Gonsenheimer Carnevalsverein und bei den Mombacher Bohnebeitel gesetzt – ebenso wie im Sommer das Weinfest „Im Kirchenstück“ im Stadtteil Hechtsheim. Auf dem Wirtschaftsweg zwischen den Weinbergen geht Doris Ahnen auch gerne spazieren und spätestens bei der Kelter bleibt sie für einen längeren Augenblick stehen: Von keinem anderen Flecken in Mainz gibt es einen schöneren Ausblick zu allen  Stadtteilen, die zu ihrem Landtags-Wahlkreis, gehören. Von Ebersheim bis Mombach präsentieren sie sich „wie eine funkelnde Perlenkette rund um die Mainzer Innenstadt“, wie einmal der langjährige persönliche Referent von Jockel Fuchs, Heinz Sturny, den Mainzer Wahlkreis 28 beschrieben hat.